Franz Beckenbauer
Steffen Robioneck
Der "Kaiser" des Weltfußballs - Franz Beckenbauer
Die Anfänge des Franz Beckenbauer
Franz Beckenbauer wurde am 11. September 1945 in München-Giesing geboren. Seine ersten Schritte als Fußballer machte er beim SC 1906 München. Der Name Franz Beckenbauer ist bis heute eng mit dem Verein FC Bayern München verbunden, doch es hätte alles ganz anders kommen können. Im Jahr 1958 plante der damals 13 jährige Franz den Wechsel zu einem größeren Verein. Zu dieser Zeit war aber nicht der FC Bayern, sondern der TSV 1860 München die erste Adresse in der bayrischen Landeshauptstadt. Eigentlich wäre Beckenbauer auch bei den Löwen gelandet, doch in einer Partie zwischen seinem MSC und Sechzigern geriet er mit einem Gegenspieler derart aneinander, dass er seine Pläne änderte und in der folgenden Saison zum FC Bayern München wechselte. Im Alter von 19 Jahren debütierte Beckenbauer für die Münchener in der damals zweithöchsten Spielklasse der Regionalliga. In seinem ersten Spiel lief er als Linksaußen auf erzielt gleich ein Tor.
Der Nationalspieler Franz Beckenbauer
Sein Stern ging während der WM 1966 in England auf. Beckenbauer wurde im Defensiven-Mittelfeld eingesetzt und interpretierte diese Rolle sehr offensiv. Er erzielte vier Tore bei dieser Weltmeisterschaft und belegte den dritten Platz der Torschützenliste dieses Turniers. Doch auch diese überragende Bilanz konnte nicht verhindern, dass Deutschland im legendären Finale England unterlag. Eine der wenigen bitteren Niederlagen in der Karriere des Franz Beckenbauer.
Vier Jahre später bei der Weltmeisterschaft in Mexiko wurde Beckenbauer erneut nicht auf seiner geliebten Libero-Position eingesetzt, da vor ihm etablierte Spieler wie Willi Schulz oder Karl-Heinz Schnellinger gesetzt waren. Unvergessen bleibt die Halbfinal-Partie gegen Italien, das sogenannte Jahrhundertspiel, in dem Beckenbauer mit einer schweren Schulterverletzung bis zum Spielende durchhielt, da das Auswechselkontingent bereits erschöpft war. Wieder konnte Beckenbauer mit der Nationalmannschaft den Titel holen, doch dies sollte sich weitere vier Jahre später bei der Weltmeisterschaft im eigenen Lande ändern.
Zwischenstation auf dem Weg zur nächsten WM war die Europameisterschaft 1972. Der Libero Franz Beckenbauer führte sein Team zu einem souveränen 3:0 Finalsieg gegen die damalige UDSSR und somit zum Europameistertitel.
Doch der sportlich größte Erfolg des Kaisers war das Aufsetzen der Krone beim 2:1 Finalsieg gegen die Niederlande. Als Kapitän des wohl besten DFB-Teams aller Zeiten führte er die Mannschaft an die Spitze der Fußballwelt und setzte sich schon damals ein Denkmal, ohne zu wissen, dass seine Popularität nach seiner aktiven Karriere weiter steigen sollte. Doch schön der Reihe nach.
Nach 103 Länderspielen beendete der damalige Rekordnationalspieler Franz Beckenbauer 1977 seine aktive DFB-Laufbahn, in der er 14 Tore erzielen konnte. 1993 löste ein gewisser Lothar Matthäus Beckenbauer als Rekordnationalspieler ab.
Der Vereinsspieler Franz Beckenbauer
So erfolgreich Kaiser Franz als Nationalspieler war, so erfolgreich gestaltete sich auch seine Karriere als Vereinsspieler. Im Jahr 1965 gelang ihm der Aufstieg mit dem FC Bayern München aus der Regionalliga in die Bundesliga. Was folgte wird bis heute als die erfolgreichste Zeit der Münchener sowohl auf nationalem Parkett, als auch auf internationaler Bühne gesehen. Bis 1977 war Franz Beckenbauer für die Bayern am Ball und konnte in dieser Zeit vier deutsche Meistertitel, sowie vier Europapokalsiege an die Isar holen, ehe er in besagtem Jahr in die USA zu Cosmos New York wechselte. Auch dort setzte sich seine Erfolgsgeschichte fort. Im damaligen Fußball-Entwicklungsland USA wurde Beckenbauer drei mal amerikanischer Meister. Doch es sollte ihn noch einmal zurück in die Bundesliga ziehen, jedoch nicht zu seinem geliebten FC Bayern. 1980 wechselte er zum Hamburger SV. Wie jedes Kapitel in seiner Karriere sollte auch dieses nicht vom Erfolg verschont bleiben und Beckenbauer holte mit den Hanseaten seinen fünften deutschen Meistertitel. Bevor er im Jahr 1982 seine Laufbahn beendete, ließ er sich nochmals zu einer letzten Saison als Spieler für Cosmos New York überreden.
Franz Beckenbauer brachte es als Vereinsspieler auf 424 Bundesligaspiele, davon 396 für den FC Bayern München und 28 für den Hamburger SV. Seine 44 Bundesligatore erzielte er ausschließlich für die Münchener. Verschiedenste Ehrungen wurden Beckenbauer während seiner Karriere zu teil. So wurde er in den Jahren 1966, 1968, 1974 und 1976 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. 1972 und 1976 wurde er gar Europas Fußballer des Jahres.
Franz Beckenbauer der Trainer und Teamchef
Auch nach seiner Spielerlaufbahn blieb der Kaiser dem Fußball treu. Seine erste Station als "Trainer" war im Jahre 1984 das Amt des Teamchefs der deutschen Nationalmannschaft. Da Beckenbauer keine gültige Trainierlizenz besaß, fungierte er eben unter dem Deckmantel des Teamchefs. An seiner Fachkompetenz bestand zu keiner Zeit ein Zweifel. Das dies berechtigt war zeigten die Erfolge die Franz Beckenbauer als Teamchef der DFB-Elf errang. Bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko führte er die Mannschaft ins Endspiel, wo man Argentinien unterlag. Vielleicht war es Zufall, doch vielleicht auch Ironie des Schicksals, dass vier Jahre später der Gegner der deutschen Nationalmannschaft im Finale der WM 1990 erneut Argentinien heißen sollte. Dieses mal setzte sich Deutschland mit denkbar knappsten aller Ergebnisse mit 1:0 durch. Damit gelang Franz Beckenbauer etwas, was zuvor nur dem Brasilianer Mario Zagallo vergönnt gewesen war. Er war sowohl als Spieler, wie auch als Trainer Fußball-Weltmeister geworden. Als eine Art Dankeschön erhielt Beckenbauer vom DFB eine Trainerlizenz ehrenhalber, die aber voll Gültigkeit besaß. Nach der WM 1990 trat er auf dem Höhepunkt als Teamchef der Nationalmannschaft zurück - und bewies so, wie während seiner gesamten Laufbahn, das Gespür für den richtigen Moment.
Drei Mal sollte Franz Beckenbauer noch als Vereinstrainer in Aktion treten und auch dieses Engagements erfolgreich beenden. Seine erste Station war in der Saison 1990/91 der französische Spitzeclub Olimpique Marseille. Dort agierte Kaiser Franz zunächst als Teamchef, um anschließend den Posten den technischen Direktors zu übernehmen. Doch schon im Jahre 1991 zog es Beckenbauer zurück nach Deutschland. Er übernahm das Amt des Vizepräsidenten beim FC Bayern München. Eigentlich hätte er sich nach dem Wechsel auf die Funktionärsebene aus dem sportlichen Bereich zurückziehen können, aber zwei weitere Male griff Beckenbauer als Interimscoach für seine geliebten Münchener in das Geschehen ein. 1994 beendete er die erfolgreiche Arbeit von Erich Ribbeck und wurde als Vereinstrainer Deutscher Meister. Ähnlichen Erfolg hatte er 1996 als Kurzzeit-Nachfolger von Otto Rehagel, wo es ihm gelang den UEFA-Cup an die Isar zu holen.
Franz Beckenbauer der Sportfunktionär
Im Jahre 1991 begann Beckenbauers Karriere als Sportfunktionär mit dem Amt des Vizepräsidenten beim FC Bayern. Seit 1994 ist Franz Beckenbauer Präsident des FC Bayern München. Eine logische Folge, denn seine Karriere war stets eng mit den Münchenern verbunden. Der Kaiser unterstützte als Vorsitzender des Bewerbungskomitees die deutsche Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 - der Erfolg ist bekannt. Außerdem war er Leiter des Organisationskomitees der WM 2006 und besuchte in dieser Funktion alle teilnehmenden Länder höchstpersönlich. Eine bessere Werbung für den deutschen Fußball konnte es gar nicht geben.